Unsere Beweggründe

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Für einen weltweiten Klimaschutz…

…haben wir am 5. März ein Waldstück an der Rodungskante des Tagebau Nochten besetzt.

Mit diesem Vorgehen wollen wir an den bereits seit Jahren existierenden lokalen Widerstand gegen den Braunkohleabbau anknüpfen. Die Bürgerinitiativen und aktiven Einzelpersonen haben wichtige Punkte über die regionalen Auswirkungen des Bergbaus in der Lausitz in ihrer Anti-Kohle-Argumentation erarbeitet. Doch Klimaschutz geht uns alle an, und somit möchten wir den Protest erweitern und den Blick verstärkt auf die durch den Klimawandel verursachte weltweite Ungerechtigkeit richten.

In der Lausitz wird seit 1867 Braunkohle gefördert. Heute werden dort in 4 Großtagebauten mehr als 60 Millionen Tonnen des Rohstoffs jährlich gefördert – jedes Kilogramm davon entlässt bei Verbrennung ein knappes Kilo CO2 in die Atmosphäre. Bei einem weltweiten „Weiter-So“ ist eine durchschnittliche Erwärmung der globalen Temperatur um etwa 5°C bis 2100 realistisch (vgl. den 4. Sachstandsbericht des IPCC). Und wer auf die Verhältnisse in dieser Welt blickt, weiß, dass es ganz nach einem „Business as usual“ aussieht.

Die Folgen

Der Klimawandel hat bereits jetzt gravierende Ausmaße angenommen. Diese Effekte werden sich mit dem immer schneller werdenden Anstieg der Temperaturen noch verstärken:

Die Klimazonen werden sich verschieben, was mehr als 40% aller Tier- und Pflanzenarten weltweit in die Vernichtung treiben könnte, da sie sich nicht schnell genug anpassen oder nach Norden wandern können.

Einige Regionen der Welt spüren die Folgen des Klimawandels schon jetzt in Form von Dürren, Fluten, Waldbränden und daraus resultierenden Hungersnöten, kurz: Verlust von Lebensgrundlagen – dies zwingt sie zur Flucht.

Zu erwarten ist eine Erhöhung des Meeresspiegels um mehrere Meter; was dies für ein Land wie z.B. Bangladesh bedeutet, wo in flussnaher Küstenlage die doppelte Bevölkerung der BRD auf der Hälfte des Raumes lebt, und das sich teuren Küstenschutz nicht leisten kann, ist klar.

Diese Effekte sind für uns kaum zu überbietende Gründe, warum der Anstieg der globalen Temperatur gestoppt werden muss. Wir lehnen Lösungsvorschläge innerhalb kapitalistischer Wachstumslogik ab und können uns nicht auf technische Lösungen verlassen, da diese zum einen das derzeitige Macht- und Herrschaftssystem nur länger aufrecht erhalten, und zum anderen viele unerforschte Risiken mit sich bringen.

Wir kämpfen für das Gute Leben für alle – ein selbstbestimmtes, herrschaftsfreies Leben jenseits von Kapitalismus, Herrschaft und Unterdrückung.

Kapitalistische Logik….

Wirtschaft und Politik sind darauf aus Profit zu erwirtschaften und ihren Einfluss zu maximieren.

Unter allen, die sich an diesem System beteiligen, wird eine eiskalte Konkurrenz erzwungen – und dies führt zu einem nie endenden Zwang zu Beschleunigung und Expansion. Dies kann auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen nicht gut gehen. So wird die Braunkohle immer weiter ausgebeutet – obwohl die dadurch massenhaft ausgelösten Tode offenkundig sind.

Umweltzerstörung wird erst ernst genommen, wenn es aus kapitalistischer Sichtweise sinnvoll erscheint – entweder ökonomisch, oder um den „sozialen Frieden“ zu wahren. Deshalb wird meist nach außen vorbildliches Verhalten vorgespielt, während Gegenteiliges getan wird.

Doch eigentlich geht es darum, Herrschaft und Privilegien aufrecht zu erhalten.

Der immerwährende Zwang zur Konkurrenz hat auch sehr persönliche Folgen für uns: Er bringt uns in einen Kampf gegeneinander ums Überleben und um die Privilegien, die es für wenige gibt. Doch an der Spitze der Pyramide ist kein Platz für uns alle – und das gute Leben für Alle ist das, wofür wir kämpfen.

…soziale Ungerechtigkeit…

Die angebliche Gefährdung der ‚Versorgungssicherheit‘ und damit die Kompromisslosigkeit mit der „unser“ Wohlstand verteidigt wird, verdecken die Tatsache, dass auf anderen Kontinenten Millionen von Menschen aufgrund dieser Wirtschaftsweise sterben.

Staaten wie die Niederlande oder die BRD können ihre Wirtschaft und ihre „Bürger_innen“ vor den Folgen des Klimawandels schützen, doch viele ärmere Staaten können sich das schlicht nicht leisten – das Leben einer Fischerin aus Mosambik ist im fossilen Kapitalismus weniger wert ist als das eines Bankangestellten aus Hamburg. Wenn wir auf der einen Seite an materiellem Reichtum gewinnen, geschieht dies zwangsläufig auf Kosten von anderen, für unseren Reichtum wird das Leben von Menschen anderswo zerstört.

…Herrschaft….

Verursacht wird die globale Erwärmung in erster Linie von den Industriestaaten – in der BRD sind die CO2 Emissionen 24-mal so hoch wie in Ghana. Am härtesten treffen werden die Folgen jedoch die Menschen im globalen Süden. Wasserknappheit, Überflutungen und Dürren verschärfen bereits jetzt vielerorts die Situation – mittelfristig werden sie Millionen Menschen in die Flucht treiben.

…Grenzen…

Wenn wir von globaler Klimaungerechtigkeit reden, machen wir dabei die Existenz von Nationalstaaten als eines der Hauptprobleme aus. Die Konstruktion eines „Wir“ und eines „Sie“ macht es erst möglich, das Sterben von Millionen Menschen als Folge der eigenen Treibhausgasproduktion mit einem Achselzucken abzutun. Unsere Antwort auf die Ströme von Geflüchteten, die hierdurch ausgelöst werden, ist ein lautes „Grenzen auf für alle!“, gefolgt von einem entschiedenen Vorgehen gegen Fluchtursachen. Das Problem ist nicht, dass Menschen ihre Heimat verlassen – denn jede_r sollte dort leben können, wo er oder sie möchte. Das Problem ist, dass diese Menschen dazu gezwungen werden.

…und die Lausitz?

Von der weltweiten Problematik abgesehen, richtet der Braunkohleabbau in der Lausitz auch lokale Schäden an. Dazu gehören Umweltschäden, wie Verockerung von Flüssen, Feinstaubbelastung und Absenkung des Grundwassers. Aber auch die Vernichtung von Dorfgemeinschaften durch Umsiedlung. Beide Bereiche betreffen besonders stark die sorbische Bevölkerung, die schon lange in landwirtschaftlich geprägten Gemeinschaften in der Lausitz lebt.

Die Dominanz von Vattenfall als größter und wichtigster Arbeitgeber in der Region bringt besorgniserregende Machtstrukturen hervor. Ganze Dörfer sind von den Jobs im Konzern abhängig, Riegen von lokalen und überregionalen Politiker_innen hören auf sein Wort. Die Braunkohle erscheint so als einzige Perspektive einer abgelegenen Region, die bereits heute nicht zuletzt aufgrund des Braunkohleabbaus unter massiver Abwanderung leidet. Für viele bietet das Leben in der Lausitz keine Perspektive, und die fortlaufende Zerstörung der Region verstärkt diese Effekte nur.

Vattenfall blendet die gravierenden Folgen aus und propagiert, dass es der Region ohne den Kohleabbau noch viel schlimmer ergehen würde. Doch die Zeit der Kohle wird enden, ob durch politischen Druck oder durch ein Ende der Vorkommen. Die Schaffung einer tragfähigen Perspektive für die Lausitz wird nur von wenigen begonnen. An Alternativen außerhalb des kapitalistischen Wirtschaftssystems wird nicht gedacht. Wir lehnen Lösungsvorschläge innerhalb der herrschenden Logik ab und kämpfen für eine Welt jenseits von Ausbeutung und Herrschaft.

Die globale Klimabewegung kommt ins Revier!

Im Revier nahe der polnischen Grenze gibt es seit Jahrzehnten Protest gegen den Braunkohleabbau. Schwerpunkt der Bürgerinitiativen waren dabei vor allem lokale Auswirkungen. Wir wollen ihr Wirken ergänzen, und verstärkt eine globale Perspektive in den Kampf einbringen. Unser Schwerpunkt liegt auf den weltweiten Folgen der globalen Erwärmung, die zu einem großen Teil auch von den Lausitzer Kohlekraftwerken verursacht wird.

Wir fordern nichs – wir wollen alles!

Nach der Besetzung von Lacoma, die 2003 geräumt wurde, wählen auch wir den direkten Widerstand, um den Protest vor Ort zu ergänzen! Während Protest die vorhandenen Missstände anprangert, will Widerstand sich diesen aktiv in den Weg stellen. Dabei bringen wir natürlich auch neue Taktiken und Methoden ein. Wir halten dies (und das damit verbundene Übertreten von Gesetzen) für dringend notwendig, denn die globale Erwärmung wartet nicht! In diesem Zuge wollen wir das Gespräch mit den lokalen Initiativen und allen Menschen, die hier leben, suchen, um unsere Aktionen zu vermitteln.

Ziel ist der Aufbau einer Alternative. Wir sind gekommen, um zu bleiben, und werden in der Lausitz nicht nur Widerstand leisten, sondern auch alternative Lebensformen aufzeigen und erproben. Durch unsere dauerhafte Anwesenheit wollen wir auch Vattenfalls Verkaufspläne vermasseln – wer die Lausitzer Braunkohlesparte kauft, muss sich auf ständige und dauerhafte Störung der „Betriebsabläufe“ einstellen!

Aktionen für eine andere Gesellschaft – nicht gegen Arbeiter*innen

Wir agieren gegen den Konzern Vattenfall und gegen den Staat, der ihn verteidigt. Wir wollen keinen Kampf mit den Arbeiter_innen und Sicherheitsleuten, die dort arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Obwohl wir einen sofortigen Kohleausstieg für dringend notwendig halten, wollen wir eine Lösung finden, die niemanden in die Armut treibt. Dass ein fehlender Arbeitsplatz mittellos macht und die Region ohne das größte Unternehmen dort ausstirbt, ist kein Naturgesetz, sondern eine Folge des Kapitalismus.

Daraus folgt für uns, dass wir unnachgiebig in unseren Handlungen sein werden und die Konfrontation nicht scheuen – doch wir betrachten die ausgebeuteten Arbeiter_innen des Konzerns Vattenfall nicht als unsere Feind_innen. Es wäre schön, wenn sie Verbündete werden könnten, auch wenn dies noch in weiter Ferne erscheint.

Direkte Aktion!

Aus dem bisher gesagten resultiert für uns zweierlei:

Zum einen wissen wir, dass die herrschende Politik und Vattenfall die Kohlekraftwerke nicht rechtzeitig abschalten werden, um die Klimakatastrophe zu verhindern. Sie sind von ihrer Struktur her darauf angelegt, ihr eigenes System zu erhalten und Profit zu maximieren. Deshalb müssen wir selber handeln und die Braunkohleförderung eigenhändig verhindern.

Zum anderen stellen wir uns nicht nur gegen Vattenfall, sondern auch gegen jeden Rassismus und Nationalismus in anderen Teilen der Gesellschaft. Der Kampf gegen die Braunkohle bleibt ein Kampf gegen das kapitalistische Dreckssystem in all seinen Ausläufern – und gegen den Staat, der es stützt.

Für ein Gutes Leben für Alle! Kohleausstieg bleibt Handarbeit!