LAUtonomia wird geräumt – Ein Erfahrungsbericht

 

Triggerwarnung: Text enthält Beschreibungen von Polizeibrutalität

Ich wachte auf von dem Geräusch von Polizei um das Baumhaus.

Ich habe herausgeblickt und zwei maskierte Polizist*innen gesehen, die versuchten eine Traverse zu durchschneiden, die den Baum mit anderen Teilen der Besetzung verband. Ich realisierte dass eine Räumung im Gange war und zog schnell meinen Klettergurt an und sicherte mich an die Traverse, um sie davon abzuhalten sie durchzuschneiden. Das hielt sie allerdings nicht auf, so wie ich erwartet hatte. Sie schnitten weiter das Seil durch, wodurch ich in die Sicherungsleine fiel. Ich kehrte zum Baumhaus zurück und bereitete mich auf Räumung und Verhaftung vor. Ich konnte bereits sehen und hören wie die beiden anderen Baumhäuser zerstört wurden. Ich fühlte mich traurig und wütend, und in Sorge um den Wald und meine Freund*innen, war aber entschlossen es ihnen so schwierig wie möglich zu machen mich herunterzubekommen.

Es befand sich ein Lock-on einige Meter über der Plattform, aber keine Handfesseln. Es dauerte nicht lange bis die Kletterbullen unter mir ankamen, weshalb ich begann den Baum weiter hoch zu klettern, bereit mich anzuketten. Die Übrige Besetzung war bereits geräumt, weshalb die Polizist_innen begannen sich um meinen Baum herrum zu sammeln. Eine einzelnde Person, umrundet von über 50 Bullen. Ein komplett schwarz vermummter Polizist trug eine Art Paintball-Gewehr mit sich. Ich sah wie er direkt auf mich zielte. Instinktiv versteckte ich mein Gesicht hinter dem Baum, gerade rechtzeitig damit die ersten Schüsse “nur” den Baum trafen. Der erste Kletterbulle hatte mich nun erreicht und erklärte mir dass es Polizist und Arzt ist. Naiverweise beruhige mich das einen Moment lang, später stelle sich aber herraus dass Polizeiarzt sein bedeutet mit ruhigem Gewissen Leuten massive Gewalt zuzufügen. Meine Hände waren nun im Lock-on aneinander geklebt und auch mit dem Metallrohr verbunden. Die sofortige Reaktion des Bullen mit dem Paintball-Gewehr war auf mein Bein zu schießen. Ich versuchte weiterhin mein Gesicht zu schützen und den Schmerz zu ignorien. Ich fokusierte meine Wahrnehmung auf den Wald, auf den Gesang der Vögel und die Sonne, welche die Bäume beschien.

Ich wusste, ich bin hier um das Leben in diesem Wald zu schützen und das fühlte sich richtig an. Selbst wenn dies für einige Zeit meine letzte Handlung als freier Mensch wäre.

Mitlerweile hatten 2 weitere Bullen meine Position erreicht. Ich informierte sie darüber dass ich in dem Lock befestigt bin und mich nicht selbst befreien kann. “Du bist nicht befestigt!”, war die Antwort. Obwohl ich weiterhin versuchte sie davon zu überzeugen dass ich das sehr wohl war, weigerten sie sich dies zu glauben. Die Polizisten positionierten sich neben mir und einer versuchte meinen Arm mit all seiner Kraft aus der Konstruktion zu reißen. Gleichzeitig trat der andere gegen meinen zweiten Arm und gegen meinen restlichen Körper. Als die Haut vom Kleber gerissen und mein Arm gegen das Metall gequetscht wurde, musste ich schreien vor Schmerz. Ich brüllte sie an dass sie aufhören sollen und versuchte so gut wie möglich, meinen Griff zu behalten. Sie stoppten ihre Folter für eine Minute. Ich versuchte zu erklären dass ich innen festgeklebt war, aber sie kümmerten sich einfach nicht darum. Sie wussten dass es viele Stunden dauern würde um mich sicher herauszuschneiden und wollten mich einfach so schnell wie möglich unten haben, also fuhren sie mit der Gewalt gegen mich fort. Sie schafften es einen meiner Arme vom Kleber freizubekommen und zogen ihn heraus. Der andere Arm war immernoch an dem Metallstift im Lock-on festgeklebt und das ganze hing nun an mir herunter, es war sehr schwer für meinen Arm, und der Polizist zog nocheinmal fester daran. Ich fragte sie ob sie nicht irgendwelche chemikalien benutzen könnten um den Kleber aufzulösen, aber sie sagten sie hätten keine. Ich entschied mich dazu meine Finger vom Lock-on zu befreien, bevor die Cops meine Hand noch weiter verletzen würden. Einige Minuten später war ich aus dem Lock heraus. Meine Hände bluteten, und ich hatte Prellungen an Armen, Beinen und am Torso. Sie trugen mich fort, ohne auf die Idee zu kommen mich zu fragen ob es mir gut ginge oder ob ich ärztliche Hilfe benötigte.

Dies war meine erste Räumung durch die deutsche Polizei. Die Menge an Brutalität und das totale außer-acht-lassen meiner Lebensgefahr war schockierend, aber nicht überraschend. Der Polizeistaat arbeitet als Sicherheitsdienst für jedes Unternehmen das sie bezahlt und nutzt verschiendenste Arten von Repression gegen jede Person, jedes Lebewesen und jedes Ökosystem das ihm im Weg steht. Die Polizei ist hier um dieses System aufrechtzuerhalten während unsere Luft, unser Wasser und unser Boden mehr und mehr verschmutzt wird, während die letzten Wälder abgeholzt werden im Namen des Fortschritts. Mit diesem Gedanken im Kopf werde ich nie aufhören zu kämpfen, um das zu verhindern. Den Schmerz den die Polizei und der Staat uns zufügt, mit ihren Fäusten, Stiefeln und indem sie unsere Verbündeten ins Gefängnis steckt, hilft nur dabei zu verdeutlichen, dass dieses System gestoppt werden muss. Das gießt Öl in das Feuer des Widerstands, das in unseren Herzen brennt.

Solidarität für alles wilde Leben, und mit den Menschen die es zu schützen versuchen, und speziell mit denen, die seit dieser Räumung im Gefängnis sind!

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