Freiräume gestalten: Vom Leben im besetzten Wald

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         - ein Erfahrungsbericht -
Vor einigen Tagen hatte ich noch das Gefühl, handwerklich nicht sonderlich begabt zu sein. In den vergangenen Tagen allerdings, habe ich schon eine Brücke und ein Regal gebaut. Alles mehr schlecht als recht
und auch nicht immer unbedingt gerade, aber es erfüllt seinen Zweck.

Wie kam es dazu?

Ein Graben im Wald verursachte bei einigen Menschen nasse Füße und irgendwie wollten wir etwas dagegen machen. Also schnappten wir uns
kurzerhand etwas Totholz, alte Stücken von Paletten sowie Hammer und Nägel.

Da wir frei im Wald leben, gab es vorher keinerlei bürokratischen Scheiß zu klären oder einen Anspruch etwas perfekt gestalten zu müssen. Es geht vor allem darum, unser Leben nach unseren Bedürfnissen zu gestalten. 
Neben der Ruhe, die ich im Wald habe, und dem Erwachen durch unterschiedlichste Vogelstimmen, ist das Entstehen von Neuem eins derfaszinierendsten Dinge auf der Besetzung.

Die Freiheit zu haben, tun und lassen zu können was man will, solangeman keinem anderen Menschen schadet, gehört hier zu unserem Alltag.
Dabei liegen wir nicht einfach nur faul auf der Haut, sondern jede Arbeit bringt die Besetzung in gewisser Weise weiter.
Manche Dinge entstehen aus Quatsch, aber so kenne ich das aus jeder Gruppe, Insider entstehen und eine Wohnung, die hier der Wald ist, wird dekoriert.

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Eigentlich kann man das Zusammenleben auf der Besetzung wie eine WG ohne feste Zimmeranzahl und Menschen bezeichnen. Manchmal kommt Besuch vorbei
und es sind unzählige Menschen da. Im nächsten Moment müssen alle nach Hause und es bleiben nur noch wenige übrig.

Morgens liegt jeder auf seinem Baum und liest, hört den  Vögeln zu oder pennt einfach noch eine Weile. Für das Frühstück geht mensch nicht in die Küche, sondern klettert runter, schaut was noch so da ist und fängt
an, Essen für alle, vorzubereiten. Irgendwie ist das Leben also gar nicht groß anders als in einer Wohnung.


Allerdings kann man dort die Wohnungstür abschließen und bekommt nicht unerwünschten Besuch von Securities. Man gewöhnt sich zwar an diese Besuche, aber unangenehm sind sie trotzdem. Sie stellen sich in unsere Mitte, fotografieren alles von allen Seiten (manchmal habe ich mich gefragt, ob sie sogar unseren Scheißhaufen dokumentieren) und schaukeln mit den Eiern vor sich her. Aber auch dagegen gibt es Mittel. Ich habe mich einfach oft auf unsere Plattform gestellt, da oben bin ich denen
nicht hilflos ausgeliefert. Auch wenn sie nicht auf die leichte Schulter zu nehmen sind, hilft es sehr, gemeinsam über sie zu lachen und sich
nicht in seinem Alltag stören zu lassen.

Ein Alltag der aus neuen und doch vertrauten Menschen besteht, an dem gearbeitet wird, ohne, dass „mensch sein Brot erst verdienen muss“ und auch einfach mal in den Tag hinein gelebt wird... eigentlich ein ganz
normales Leben.


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